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Kapitalkompass
GrundlagenGrundlagen

Was ist ein ETF? Einsteiger-Guide

ETFs einfach erklärt: wie Exchange Traded Funds funktionieren, worin sie sich von klassischen Fonds unterscheiden und welche Risiken und Kosten dabei eine Rolle spielen.

Simon Ender · Gründer von Kapitalkompass3 Min. Lesezeit
Symbolgrafik: Kreisdiagramm mit mehreren Anteilssegmenten für Diversifikation

ETF: Die Abkürzung erklärt

ETF steht für Exchange Traded Fund, zu Deutsch etwa “börsengehandelter Fonds”. Ein ETF bildet in der Regel einen bestehenden Index nach, zum Beispiel den MSCI World, den ATX oder einen Anleihen-Index. Anders als klassische Investmentfonds wird er fortlaufend während der Börsenöffnungszeiten gehandelt statt nur einmal täglich zu einem Rücknahmepreis.

Wie ein ETF funktioniert

Ein ETF kauft entweder die im Index enthaltenen Wertpapiere direkt (physische Replikation) oder bildet die Wertentwicklung über ein Tauschgeschäft mit einer Gegenpartei nach (synthetische Replikation). Anleger:innen erwerben Anteile an diesem Fondsvermögen über die Börse, ähnlich wie beim Kauf einer Aktie.

Merkmal Klassischer aktiver Fonds ETF (passiv)
Ziel Index schlagen Index nachbilden
Handel 1× täglich über die Fondsgesellschaft Fortlaufend an der Börse
Laufende Kosten (TER) häufig 1,0–2,5 % häufig 0,05–0,5 %
Transparenz der Zusammensetzung oft nur periodisch einsehbar meist täglich einsehbar

Warum ETFs für den Vermögensaufbau beliebt sind

Ein einzelner breit gestreuter Aktien-ETF kann bereits hunderte oder tausende Einzelunternehmen aus verschiedenen Ländern und Branchen abbilden. Diese Streuung reduziert das Risiko im Vergleich zu Einzelaktien deutlich, ohne dass aktiv einzelne Titel ausgewählt werden müssen. In Kombination mit niedrigen laufenden Kosten ist das ein zentraler Grund, warum ETF-Sparpläne in Österreich zunehmend verbreitet sind.

Replikationsmethoden im Detail

Bei der physisch vollreplizierenden Variante hält der ETF tatsächlich alle oder nahezu alle Wertpapiere des Index. Physisch optimierte ETFs (Sampling) halten stattdessen eine repräsentative Auswahl der Indexbestandteile, etwa bei sehr breiten Indizes mit tausenden Positionen. Synthetische ETFs bilden die Indexentwicklung über ein Swap-Geschäft mit einer Bank nach, meist zusätzlich abgesichert durch Sicherheiten. Für die meisten Privatanleger:innen gelten physisch replizierende ETFs als am leichtesten nachvollziehbar.

Wichtige Kennzahlen beim ETF-Vergleich

  1. TER (Total Expense Ratio): die jährliche Kostenquote des Fonds.
  2. Fondsvolumen: größere Fonds werden seltener aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen.
  3. Tracking Difference: wie stark die tatsächliche Rendite von der Indexrendite abweicht.
  4. Domizil des Fonds: beeinflusst unter anderem die Quellensteuer auf Dividenden.
  5. Meldefonds-Status in Österreich: relevant für die steuerliche Behandlung, siehe Steuern auf ETFs in Österreich.

Risiken von ETFs

ETFs sind kein risikoloses Investment. Der Wert eines Aktien-ETFs schwankt mit dem zugrunde liegenden Markt und kann zeitweise deutlich fallen. Bei synthetischen ETFs besteht zusätzlich ein meist über Sicherheiten begrenztes Gegenparteirisiko gegenüber der Swap-Partnerbank. Eine breite Streuung reduziert das Einzeltitelrisiko, schützt aber nicht vor allgemeinen Marktrückgängen. Wie Risiko und erwartete Rendite grundsätzlich zusammenhängen, erklärt der Artikel Risiko und Rendite.

Zwei gängige globale Indizes im Vergleich

Zwei der am häufigsten in ETF-Sparplänen verwendeten globalen Aktienindizes sind der MSCI World und der FTSE All-World. Die Unterschiede in Länderabdeckung und Anzahl der Positionen erklärt der Artikel MSCI World vs. FTSE All-World. Wichtig ist außerdem, ob ein ETF Erträge ausschüttet oder automatisch wieder anlegt, dazu mehr im Artikel Thesaurierend oder ausschüttend.

Sind ETFs sicherer als Einzelaktien?

Durch die breite Streuung ist das Einzeltitelrisiko deutlich geringer als bei einer einzelnen Aktie. Das allgemeine Marktrisiko bleibt trotzdem bestehen, ein ETF auf einen fallenden Gesamtmarkt verliert ebenfalls an Wert. Wie viele ETFs braucht man dann für ein diversifiziertes Portfolio? Meistens weniger als gedacht: Ein einzelner, breit gestreuter Welt-Aktien-ETF auf den MSCI World oder FTSE All-World deckt für viele Privatanleger:innen bereits einen Großteil der sinnvollen Diversifikation ab.

Ob ETFs überhaupt Dividenden ausschütten, hängt vom Fondstyp ab. Ausschüttende ETFs zahlen Dividendenerträge regelmäßig aus, thesaurierende ETFs legen sie automatisch wieder im Fonds an.

Erste Schritte

Wer nach diesem Überblick einen ETF-Sparplan einrichten möchte, findet die praktische Anleitung dazu im Artikel ETF-Sparplan starten in Österreich.