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Kapitalkompass
GrundlagenGrundlagen

Risiko und Rendite: Der Zusammenhang, den viele unterschätzen

Warum höhere erwartete Rendite immer mit höherem Risiko einhergeht, wie Volatilität und Verlustrisiko sich unterscheiden und was das für die eigene Anlagestrategie bedeutet.

Simon Ender · Gründer von Kapitalkompass3 Min. Lesezeit
Symbolgrafik: Waage zwischen Risiko und Rendite

Der Grundzusammenhang

An Kapitalmärkten gibt es keine höhere erwartete Rendite ohne ein entsprechend höheres Risiko. Dieser Zusammenhang gilt als eines der grundlegendsten Prinzipien der Kapitalanlage. Anlageformen, die historisch höhere Renditen ermöglicht haben, etwa Aktien im Vergleich zu Staatsanleihen, waren im Gegenzug auch mit deutlich stärkeren Wertschwankungen und zeitweisen Verlusten verbunden. Wer eine überdurchschnittliche Rendite ohne erkennbares Risiko verspricht, sollte kritisch hinterfragt werden.

Volatilität ist nicht dasselbe wie Verlustrisiko

Zwei Begriffe werden oft synonym verwendet, obwohl sie unterschiedliche Dinge beschreiben. Volatilität beschreibt, wie stark der Wert einer Anlage kurzfristig schwankt, nach oben wie nach unten. Verlustrisiko dagegen beschreibt die Wahrscheinlichkeit und das Ausmaß eines tatsächlichen, dauerhaften Kapitalverlusts.

Ein breit gestreuter Aktien-ETF kann kurzfristig stark schwanken und hat trotzdem über sehr lange Zeiträume historisch selten zu einem Totalverlust geführt. Bei einer hochkonzentrierten Einzelposition in einem einzigen Unternehmen sieht das anders aus.

Warum Diversifikation das Risiko-Rendite-Verhältnis verbessert

Durch die Streuung über viele Einzeltitel, Branchen und Regionen lässt sich das unternehmensspezifische Risiko deutlich reduzieren, ohne notwendigerweise die erwartete Rendite zu schmälern. Genau dieses Prinzip liegt auch dem Konzept breiter Index-ETFs zugrunde: Statt auf einzelne Gewinner zu setzen, wird die Marktrendite eines gesamten Index abgebildet. Mehr dazu im Grundlagen-Guide zu ETFs.

Anlagehorizont als Risikofaktor

Das Verlustrisiko einer Aktienanlage hängt stark vom Anlagehorizont ab. Historisch betrachtet waren Wahrscheinlichkeit und Ausmaß eines Verlusts bei langen Haltedauern von 15 Jahren oder mehr tendenziell geringer als bei kurzen Haltedauern von ein bis zwei Jahren. Das ist einer der Gründe, warum Geld, das kurzfristig benötigt wird, etwa der Notgroschen, in der Regel nicht in schwankungsanfällige Anlagen wie Aktien-ETFs gehört. Mehr dazu in Notgroschen berechnen.

Die eigene Risikotragfähigkeit einschätzen

Die individuell passende Aktienquote hängt von mehreren Faktoren ab:

Faktor Wirkung auf die Risikotragfähigkeit
Anlagehorizont Länger bedeutet tendenziell eine höhere mögliche Aktienquote
Vorhandener Notgroschen Reduziert den Druck, bei Kursrückgängen verkaufen zu müssen
Einkommensstabilität Stabiles Einkommen erlaubt etwas höhere Risikotragfähigkeit
Emotionale Verlusttoleranz Eine Strategie, die man in der Krise nicht durchhält, nützt wenig

Der letzte Punkt wird häufig unterschätzt. Eine theoretisch optimale, aber emotional nicht durchhaltbare Strategie führt in der Praxis oft zu Panikverkäufen, und zwar meist genau in den Marktphasen, in denen das am schädlichsten ist.

Diversifikation über Anlageklassen hinweg

Neben der Streuung innerhalb einer Anlageklasse, etwa über viele Aktien in einem ETF, kann auch die Streuung über verschiedene Anlageklassen hinweg das Schwankungsprofil eines Portfolios verändern. Anleihen-ETFs weisen historisch tendenziell geringere Wertschwankungen auf als Aktien-ETFs, in der Regel allerdings auch eine geringere langfristig erwartete Rendite.

Bedeutet höheres Risiko automatisch höhere Rendite?

Nicht in jedem Einzelfall. Höheres Risiko bedeutet eine höhere erwartete Rendite über sehr lange Zeiträume und im Durchschnitt vieler Marktphasen, keine garantierte höhere Rendite jedes Mal. Auch bei höherem Risiko sind schwächere Renditephasen oder Verluste möglich.

Wie lässt sich das eigene Risiko dann in der Praxis steuern? Am ehesten über die Aufteilung des Portfolios zwischen risikoreicheren Bausteinen wie Aktien-ETFs und risikoärmeren wie Tagesgeld oder Anleihen, angepasst an Anlagehorizont und persönliche Risikotragfähigkeit. Nicht über die Auswahl einzelner vermeintlich “sicherer” Aktien.