Notgroschen berechnen: Wie viel Rücklage du wirklich brauchst
Wie groß ein Notgroschen sein sollte, wo er am besten geparkt wird und warum er die Grundlage vor jedem ETF-Sparplan bildet.
Warum ein Notgroschen vor dem Investieren kommt
Ein Notgroschen ist eine leicht verfügbare Geldreserve für unvorhergesehene Ausgaben: eine defekte Waschmaschine, eine Autoreparatur, eine vorübergehende Einkommenslücke. Ohne diese Reserve besteht das Risiko, im Ernstfall Wertpapiere zu einem ungünstigen Zeitpunkt verkaufen zu müssen, nur um kurzfristig liquide zu sein. Deshalb gilt in der Finanzplanung häufig die Reihenfolge: zuerst Notgroschen, dann ETF-Sparplan. Diese Priorisierung erklärt auch der Artikel zur 50-30-20-Regel.
Wie groß sollte der Notgroschen sein?
Eine verbreitete Faustregel empfiehlt drei bis sechs Nettomonatsgehälter als Zielgröße, abhängig von der persönlichen Situation:
| Situation | Empfohlene Größenordnung |
|---|---|
| Festanstellung, stabiles Einkommen, keine Unterhaltspflichten | ca. 3 Nettomonatsgehälter |
| Familie mit Kindern oder einem Alleinverdiener-Haushalt | ca. 4–6 Nettomonatsgehälter |
| Selbstständige Tätigkeit oder unregelmäßiges Einkommen | 6 Nettomonatsgehälter oder mehr |
Diese Werte sind Orientierungspunkte, keine feste Vorschrift. Die passende Höhe hängt auch von Fixkosten, vorhandenen Absicherungen wie einer Berufsunfähigkeitsversicherung und der persönlichen Risikotoleranz ab.
Wo der Notgroschen geparkt werden sollte
Der Notgroschen sollte jederzeit kurzfristig verfügbar und wertstabil sein. Kursschwankungen sind hier unerwünscht, weil das Geld im Ernstfall sofort und in voller Höhe gebraucht wird. Ein Tagesgeldkonto bei einer Bank mit Einlagensicherung bietet hohe Verfügbarkeit bei meist moderater Verzinsung. Ein Sparkonto mit täglicher Verfügbarkeit funktioniert ähnlich, teils mit geringfügig anderen Konditionen. Ein Girokonto eignet sich höchstens für einen kleinen Sofort-Puffer, da hier meist kaum Verzinsung anfällt.
Aktien-ETFs eignen sich für den Notgroschen ausdrücklich nicht, weil ihr Wert kurzfristig deutlich schwanken kann. Ein Verkauf in einer schwachen Marktphase würde dann einen realisierten Verlust bedeuten.
Schritt für Schritt zum eigenen Notgroschen
- Monatliche Fixkosten addieren: Miete, Versicherungen, Grundausgaben.
- Zielgröße anhand der obigen Tabelle festlegen, etwa vier Monatsgehälter.
- Aktuellen Rücklagenstand vom Ziel abziehen, um die Lücke zu ermitteln.
- Einen realistischen monatlichen Sparbetrag festlegen, um die Lücke in einem überschaubaren Zeitraum von etwa 12 bis 24 Monaten zu schließen.
- Den Betrag automatisiert per Dauerauftrag auf ein separates Tagesgeldkonto überweisen, getrennt vom Girokonto.
Notgroschen und Einlagensicherung
In Österreich sind Einlagen bei Banken innerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums gesetzlich bis zu 100.000 € pro Person und Bank abgesichert. Wer einen sehr großen Notgroschen hält, kann diesen bei Bedarf auf mehrere Institute aufteilen, um innerhalb der Absicherungsgrenze zu bleiben.
Wann der Notgroschen aufgestockt werden sollte
Nach jeder größeren Entnahme, etwa nach einer Autoreparatur, sollte die Rücklage priorisiert wieder aufgefüllt werden, bevor zusätzliches Kapital in den ETF-Sparplan fließt. Nur so bleibt der Notgroschen ein verlässliches Sicherheitsnetz.
Ist ein Notgroschen bei einem sicheren Job überhaupt nötig?
Ja. Auch bei stabiler Anstellung können unerwartete Ausgaben auftreten, die mit dem Job selbst gar nichts zu tun haben, etwa Gesundheits- oder Reparaturkosten. Ein Notgroschen reduziert in solchen Fällen den Druck, Kredite aufzunehmen oder Investments vorzeitig aufzulösen.
Zählt eine Kreditkartenlinie als Ersatz dafür? Nein. Eine Kreditlinie ist keine Rücklage, sondern eine Verschuldungsmöglichkeit mit oft hohen Zinsen. Sie kann im Akutfall eine Überbrückung sein, ersetzt aber nicht den Aufbau einer eigenen liquiden Reserve.